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einige Regeln für die Schriftsprache
Grundlage: Schneider,Wolf (1994): Deutsch fürs Leben. Was die Schule zu lehren vergaß. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek
Man muss sich klarmachen, dass ein Text nur gelesen wird, wenn:
1. der Inhalt so interessant ist, dass man ihn dringend lesen möchte (Gebrauchsanweisung für Feuerlöscher), 2. wenn den Leser die Angst zum Text treibt (Schreiben eines Rechtsanwalts), 3. der Text bei einigermaßen interessantem Inhalt sich angenehm lesen lässt.
„Ich suche in den Büchern nichts, als mich bei einem ehrbaren Zeitvertreib zu amüsieren. Wenn ich beim Lesen auf Schwierigkeiten stoße, so beiße ich mir nicht die Fingernägel ab; bin ich den Schwierigkeiten ein- oder zweimal auf den Leib gerückt, so lasse ich sie liegen… Wenn mir ein Buch verdrießt, so greife ich nach einem anderen.“ (Montaigne) Der Historiker Heimpel sagte einmal: „ Wissenschaftliche Prosa ist genau, also unbequem für den Autor und einfach, also bequem für den Leser. “Wer´s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er´s klar sagen kann.“ (Karl Popper)
„Was sich sagen lässt, lässt sich klar sagen und worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ (Ludwig Wittgenstein)
die drei großen Anforderungen an die Sprache:
- Verständlichkeit
- Gefälligkeit
- Reichtum (historische Differenzierungen sollen beibehalten werden und Bereicherungen soll bejaht werden, wenn es welche sind)
Mit Wörtern geizen: Geblähte Floskeln vermeiden, Füllwörter streichen, Scheinwörter vermeiden.
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Also nicht:
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sondern:
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zu diesem Zeitpunkt
zu einem späteren Zeitpunkt
strenges Stillschweigen bewahren
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jetzt später schweigen
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Füllwörter: echt, irgendwie, ich würde sagen,
Scheinaussagen vermeiden: Ein Ferkel in einem Verschlag hinter dem Herd vervollständigt das Bild von Armut und Schmutz
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In einem Verschlag hinter dem Herd grunzte ein Ferkel.
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Gegen das Geschwafel: “Mach´s Maul auf! Tritt fest auf! Hör´ bald auf!“ (Luther)
„Meine Sprache ist allzeit simpel, enge und plan.“ (Lichtenberg) “Ich bemühe mich konsequent, aus hundert Zeilen zehn zu machen.“ (Alfred Polgar) “Wenn es möglich ist, ein Wort zu streichen – streiche es. (George Orwell)
Vermeide falsche und hässliche Adjektive:
die schwachen Brisen, die gezielten Maßnahmen, schwere Verwüstungen oder interaktionsfolgenrelevante Verbindlichkeiten, winterliche Witterung statt Winterwetter
Unnötige Adjektive müssen eingespart werden. Ein Beispiel:
Volkslied: Am verwitterten Brunnen vor dem weinlaubumrankten, halbzerfallenen Tor steht ein knorriger Lindenbaum. Nein: Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum.
Wissenschaftsjargon vermeiden: Der Autor will entweder die Laien von der Verständigung ausschließen oder ihnen imponieren. Ein Beispiel: Im Mittelpunkt des Kongresses stehen drei Problemkreise: die technische Realisierbarkeit neuer audiovisueller Kommunikationsmittel in ihrer jeweiligen Relation zur wirtschaftlichen Akzeptanz.
1. Wortballons anstechen. Aus: neue audiovisuelle Kommunikationsmittel werden die Neuen Medien. 2. Nominalkonstruktionen zerschlagen. aus kundenseitiger Akzeptanz wird was die Kunden akzeptieren
3. Wörter zweiter Wahl vermeiden: praktikabel und akzeptieren tilgen Beispiel: Im Mittelpunkt des Kongresses stehen drei Fragen: was bei den Neuen Medien technisch machbar, wirtschaftlich vertretbar und menschlich zumutbar ist.
4. Akzente setzen und vereinfachen Ist „vertretbar“ dasselbe wie „praktikabel“?
Vorschlag: Der Kongress will für die Neuen Medien klären, was die Technik kann, die Wirtschaft will und was die Leute mögen.
„Der Gesetzgeber soll denken wie ein Philosoph und reden wie ein Bauer.“ (Radbruch)
Modewörter und Klischees vermeiden
Modewörter entstammen dem Wühltisch beim Schlussverkauf: reichlich vorhanden, billig zu haben, wenig geachtet. Z.B. das Modewort „nachvollziehen“ hat viele schöne deutschen Begriffe verdrängt wie verstehen, begreifen, einsehen, einleuchten, kapieren, klarmachen billigen, nachfühlen, nachempfinden. Vermeidung von leergedroschenen Bilder: der rote Teppich, der große Bahnhof…
Vermeidung von Wortdreimaster
In der Kürze ist die Kraft, d.h. anstelle von Informationsdefiziten eher Wissenslücken, anstelle von Gefährdungspotenzial eher Risiko, andere Dreimaster, die es zu vermeiden gilt, wären Frustrationstoleranz, Befindlichkeitspegel, Randgruppensensibilität. Je kürzer ein Wort, desto anschaulicher ist es. Goethe hat in seiner Ballade vom Fischer eine Quote von 76 % Einsilber gebracht, z.B. „Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm….“. Ein Beispiel für die Vielsilbigkeit ist die Stiftung Lesen:
„Alle Teilnehmer des Gesprächs waren sich einig, dass den feststellbaren Einbrüchen in der Bibliothektsinfrastruktur der ehemaligen DDR und der enormen Nutzung von Bibliotheken auf bibliothekspolitischer wie leseförderungspraktischer Ebene begegnet werden muss.
Schlichte Wörter wählen
Für den, der mit Worten wirken will, ist das simple Wort die richtige Wahl. Man gebrauche gewöhnliche Wörter und sage ungewöhnliche Dinge. Beispiele: Von Staub bist du gekommen und zu Staub sollst du werden. (Bibel) Friede den Hütten – Krieg den Palästen! (Georg Büchner) Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin. (Bert Brecht)
Bei der Wortwahl immer die engste Einheit nennen
Man soll beim Schreiben immer die engste Einheit wählen, d.h. präzise, konkret und anschaulich schreiben. Meint man Henne, schreibt man nicht Huhn, meint man Huhn, so schreibt man nicht Geflügel oder Federvieh, meint man Geflügel, so schreibt man nicht Haustiere, meint man Haustiere, so schreibt man nicht Tiere, meint man Tiere, so schreibt man nicht Lebewesen.
Man muss sich von der Abstraktion abwenden und zum Konkreten kommen.
Beispiel für die Abstraktionen: Zahlreiche Hamburger Spezialitäten hat er auf diese Weise zu neuem Ansehen verholfen. Wie bei seinen Kreationen verbindet Viehauser auch Überliefertes mit Neuem zu mitunter ungewöhnlichen Kombinationen.
Beispiel für das Konkrete: Von den Tischereignissen ist mir nur noch als charakteristisch erinnerlich, dass ich im Eifer des Gesprächs in dem neben mir liegenden Brot krümelte und dadurch unschöne Brosamen erzeugte. Da tippte denn Goethe mit dem Finger auf jedes einzelne und legte sie auf ein regelmäßiges Häufchen zusammen. (Grillparzer – Autobiografie)
Stiluntersuchung bei der Aufsatzbewertung
Jeder Mensch hat zwar seinen eigenen Stil, der eng mit der individuellen Empfindungs- und Denkweise zusammenhängt, aber es gibt trotzdem einige Grundregeln, die beim Schreiben beachtet werden müssen.
1. Wörter: a) keine unnötige Ausdrucksausweitung: Wir sind im Stande, Ihnen mitteilen zu können, dass…. Gestatten Sie mir, sagen zu dürfen … b) keine Klangwiederholung: Heute findet in der Stadt ein Ball statt. Ich bin ganz erschöpft vom Ausschöpfen des Kahns.
c) Wortwiederholung: Wir bedauern, dass Sie mit unserer Sendung nicht zufrieden sind, können aber zu unserem Bedauern Ihren Schadensersatzanspruch nicht anerkennen.
d) kein Genitiv mit „von“: Als die Herren von dem Haus kamen. Das Haus von meinem Vater, meinem Vater sein Haus. e) kein Auseinanderreißen zusammengesetzter Verben: In diesem Augenblick platzte Sebastian, der nur mit Mühe seine Erregung gebändigt hatte und mit hochrotem Kopf zitternd vor seinem Bruder stand, laut mit den Worten heraus.
f) keine Kanzleiausdrücke: nach Maßgabe der Vorschriften des § 16, zum Zwecke näherer Prüfung, in Ansehung des nachgewiesenen Bedürfnisses, unter Weglassung der Namen, aufgrund obiger Überlegungen, anlässlich der diesbezüglichen Ermittlungen g) Vermeidung toter Verben: sein, haben, sich befinden, liegen, machen, sich ereignen, es gibt
Der Drachen war sehr hoch in der Luft, in dem Gewässer waren viele Fische, hier befindet sich eine Brücke h) keine ungenauen Ausdrücke: Und warum machet ihr euch Gedanken wegen eurer Lebensbedürfnisse? Schauet die Blumen in der Natur, wie sie an Größe zunehmen, sie verrichten keinerlei Arbeit. (Bergpredigt) Und warum sorgt ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. (Luther- Übersetzung)
i) Hauptwortstil: Anträge auf Inanspruchnahme der Unterstützungseinrichtungen sind unter Beifügung des Mitgliedsbuches mit dem Nachweis gezahlter Beiträge direkt an die Geschäftsstelle zu richten. Die Geschäftsstelle nimmt Unterstützungsanträge unmittelbar entgegen; das Mitgliedsbuch mit dem Nachweis der gezahlten Beträge muss beiliegen.
j) Fremdwörter: Vermeidung der Unverständlichkeit, d.h. nur ständig benutzte Fremdwörter einsetzen. Die asthenische Konstitution des Patienten war eine primäre Komponente für das letale Resultat. k) Stilschlamperei: Alle Briefe von und an meine Schwester habe ich aufgehoben. Er ging mit seinem Vater und Mutter… Vor dem Sofa prangte ein Tigerfell, das sein Onkel selbst erlegt hatte. Der Tod trat durch einen Schlaganfall ein. Trotzdem ich ihn oft gewarnt habe, hat er das Saufen nicht aufgegeben.
l) hin und her: Da stand es gut um unser Haus, nur viel herein und nichts hinaus. (Goethe) Her bedeutet: zu mir, hin: von mir weg. m) kein Schreistil: (Superlativproblematik) der wundervollste Abend, das fabelhafteste Buch, unglaublich, prima n) flauer Stil (Ausdrucksabschwächung): Der Schaden ist groß. Es wird mitgeteilt, dass mit der Entstehung eines nicht unbeträchtlichen Schadens zu rechnen sein dürfte. o) Phrasen: Einen banalen Inhalt hochtönend wiedergeben. Treue ist das Feuer selber, welches den Kern der Existenz ewig belebt und erhält.
p) Adjektivanhäufung: Dabei hatte der Knabe ein so gläubiges, verschämtes, überzartes, frommes, gelehriges, träumerisches Wesen. q) Satzaufbau:
- überlange Sätze durch Aneinanderreihung von Hauptsätzen: Marcel ritt bis an den Garten, sprang vom Pferd, kroch durch den Zaun und flog nach der Laube, wo Ursula ruhte, schlich sich zu ihr und stürzte zu ihren Füßen. -Hauptsätze und gleichartige Nebensätze: Ich erblicke ihn, als ich auf die Straße, als ich ihn besuchen wollte. - Häufung von dass-Sätzen: Er schrieb, dass er in einigen Tagen kommen werde. Er befahl, dass sofort ein Gesetz ausgearbeitet werde.
-Stopfstil: Häufung von adverbialen Umstandsbestimmungen anstelle von Nebensätzen.
In der Überzeugung, eine Erweiterung des Unternehmens auf Fabrikation von Stahlmatratzen würde durch Einsparung bisheriger Einkäufe zur weitgehenden Unabhängigmachung von den Vorlieferanten innerhalb eines Jahres beitragen, entschloss sich Meier, unter Heranziehung aller seiner Gelder einen Anbau zu beginnen. besser: Meyer wünschte Einkäufe einzusparen und hierdurch weitgehend von Vorlieferanten unabhängig zu machen; er entschloss sich deshalb, alle seine Gelder heranzuziehen und zusätzlich Stahlmatratzen zu fabrizieren; hierfür begann er einen Anbau.
- Häufung von Partizipien: Die an sich sehr zu lobende Bemühung einer Benutzung von Partizipien führt zu sehr zu tadelnden undeutschen Formen, wenn sie in dieser ungeschickt zu nennenden Weise ausgeübt wird. - freie Wortstellung, aber Sinnwort am Satzanfang, wenn das Sinnwort erst inhaltlich vorbereitet werden muss, dann gehört es an den Schluss des Satzes - Bildbruch: Napoleon stand noch mit einem Bein in Russland, während er mit dem anderen in Frankreich Armeen aus dem Boden stampfte. Man muss immer im Bild bleiben. - die falsche Stilebene: Vermeidung der Mischung verschiedener Stilebenen
(gehobener Stil, poetischer Stil, Vulgärsprache, sachlicher Stil…) Das erhabene Naturschauspiel kam gut an.
Zur Bewertung der Sprachrichtigkeit in den einzelnen Bundesländern
Zur inhaltlichen und sprachlichen Bewertung
1. Es sollten beim Aufsatz die im Unterricht erarbeiteten Inhalte einsetzbar sein.
2. Allerdings geht die Aufsatzleistung über das rein Reproduzierbare hinaus.
3. Die Lernziele des Aufsatzunterrichts müssen beachtet werden.
4. Die Textkonstituenten sollen bekannt sein, also worauf ist bei der Textherstellung zu achten:
- Textkohärenz: Sind die Argumentationsketten logisch stringent (deduktiv oder induktiv) oder assoziativ sprunghaft, ohne erkennbaren Plan?
- Textkohäsion: Werden die einzelnen Sätze durch entsprechend Verbindungswörter inhaltlich verknüpft oder werden Personalpronomen ohne Bezug zu vorausgehenden Sätzen eingesetzt? Wird ein bestimmter Objektivitätsgrad bei der Argumentation realisiert (Allgemeinverbindlichkeit, wissenschaftliche Genauigkeit, persönliche Überzeugung)
- Gedankliche Komplexität: Wird ein Gedankenvorgang entwickelt?
- Anschaulichkeit: abstrakt, theoretisch, konkret, bildhaft (bei Beispielen Anknüpfung an Alltagserfahrungen.
5. Inhaltsaspekt der Bewertung:
- Menge und Relevanz der Mitteilungen, die der Text enthält
- Strukturierung der Mitteilung, der in sich gegliederten und aufeinander bezogenen komplexen Zusammenhänge
6. Sprachmittel:
- nach der lexikalischen und syntaktischen Ausgestaltung der Sätze
- nach der Vertextung der Sätze
7. Dilemma der Aufsatzauswertung: Es gibt keine objektivierbaren und allgemein akzeptierten Kriterien. Daher gibt es nur eine Orientierung an der Schreibsituation. Schreibsituation: Es werden explizite und implizite Daten vorgegeben, die der Schüler bei der inhaltlichen und sprachlichen Abhandlung beachten muss. Daten beziehen sich auf: Gegenstände und Sachverhalte, Intentionen, die mit der Äußerung verbunden sind und den Adressaten. Inwieweit wird der Schüler die explizit und implizit vorgegebene Schreibsituationen bewältigen? (durch die Menge und Relevanz der Informationen (z. B. Beobachtungen, Sachkenntnisse, Argumente, Aspekte und Ideen, die er in seinen Text einbringt, durch die Differenzierung, Entfaltung, Akzentuierung dieser Informationen, sowie durch deren Strukturierung zu komplexen Sinneinheiten.
Inwieweit ist die Schreibaufgabe sprachlich bewältigt worden?
- durch die lexikalische Ausgestaltung des Textes (Auswahl der Wörter nach Gesichtspunkten der Eindeutigkeit, Treffsicherheit, Prägnanz, Anschaulichkeit, durch Varianz, Vermeidung von Klischees und Leerformeln, durch Verwendung von rhetorischen Tropen.
- durch die syntaktische Ausgestaltung: durch Variation und Komplexion der Satzmuster, durch Vermeidung von Monotonie
Bewegt sich die sprachliche Ausgestaltung des Textes im Rahmen der Grammatikregeln der Standardsprache, sind die Wörter semantisch richtig verwendet, richtig flektiert, in ihrer Lautgestalt und im Schriftbild richtig reproduziert. Sind die Sätze (Einzelsätzen, Hypotaxen und Parataxen) syntaktisch richtig ausformuliert und so miteinander vertextet, dass keine Unklarheiten entstehen, sind die Interpunktionsregeln richtig beachtet worden.
Auf eine Explizierung der Schreibsituation kann man durch Nennung der Textsorte verzichten, denn soll ein Schüler eine Inhaltsangabe eines Textes erstellen, so ist für ihn klar, aufgrund der vorherigen Unterrichtsstunden, dass er in sachlicher Form informieren soll. Bei textgebundenen Aufsatzthemen kommt es noch darauf an, wie der Schüler den Text erschlossen hat. Bei freien Aufsatzthemen wird noch das unterstellte Wissen gleichzeitig mit abgeprüft, deshalb ist es wichtig, dass diese Themen im Erfahrungs- und Interessenshorizont der Schüler liegen. mögliche Fehlerliste:
- lexikalische Fehler (falsche Vorstellung vom Bedeutungsgehalt der Wörter)
- morphologische Fehler (falsche Flexion)
- phonologische und orthografische Fehler (z. B. Gedächnis)
- syntaktische Verstöße bei Einzelsätzen und Satzgefügen
Bezugsnormen der Bewertung:
- intrapersonal: Der Vergleichsmaßstab ist die individuelle Fähigkeit des Einzelnen. Dies ist sehr problematisch, denn eine unterschiedliche Benotung von zwei gleichen Arbeiten kann nicht vermittelt werden.
- interpersonal: Die Leistung wird mit den Fähigkeiten der Lerngruppe verglichen. Die Schwierigkeit liegt darin begründet, dass eine Arbeit in einer Klasse mit gut und in der Parallelklasse mit ausreichend bewertet werden kann. Eine begrenzte Anwendung ist jedoch wünschenswert, denn die klassenspezifischen Lernbedingungen müssen berücksichtigt werden wie z. B. Stundenausfall, Lehrerwechsel
- kriterienbezogene Norm: Die Anforderungen müssen eindeutig ausformuliert werden und nach ihrer Relevanz gewichtet werden. Dies ist das beste Vorgehen, wenn die Arbeit von der Leistung vergleichbar gemacht werden soll.
Anregung zu einem Auswertungstraining
1. Wie beurteilen Sie spontan die in einem Aufsatz erbrachte Leistung? Welche Kriterien waren für diese Bewertung maßgebend? 2. Wie würden Sie einem Schüler gegenüber Ihre Entscheidung begründen?
3. Bewerten Sie noch einmal unter kriterienbezogener Norm. Gibt es Abweichungen, aufgrund welcher Normen sind diese Abweichungen erklärbar? Wurden Normen vergessen? 4. Ist es notwendig, dass Spontanurteil zu korrigieren?
5. Der Korrektur liegt ein Auswertungsbogen bei. Sind die Korrekturhinweise in der Arbeit für den Schüler hilfreich?
Beispiel einer Textanalyse Bewertungsorientierung: 1. inhaltliche Bewältigung der Aufgabe:
Erreicht der Bearbeiter den Adressaten emotional und rational? Bemüht sich der Schüler nicht nur die Analyseschritte zu katalogisieren, sondern so logisch aufzulisten, dass eine
Aussageabsicht erkennbar wird..
2. sprachliche Bewältigung der Aufgabe: Wählt der Schüler lexikalische und syntaktische Mittel so aus, dass eine klare Darstellung ermöglicht wird und der Leser problemlos folgen kann
3. Sprachrichtigkeit
Sind die Wörter in ihrer Bedeutung richtig ausgewählt, richtig flektiert, in ihrer Lautgestalt und im Schriftbild richtig reproduziert worden?
Es können Einzelnoten für Bewertungsabschnitte festgelegt werden, die mit einem Gewichtungsfaktor in die Endabrechnung einzubeziehen sind.
Beispiel:
Note aus Anforderungsbereich 1 multipliziert mit fünf, aus Anforderungsbereich 2 mit zwei und aus Anforderungsbereich 3 mit 1. Eine Dezimalstelle hinter dem Komma kann mitberücksichtigt werden.
Stilverstöße:
Satzbau: missverständlich, z. B. Er wehrt sich gegen den Mann mit dem Revolver.
Verschachtelungen, z. B.: Zu Ihrer Aussage, dass niemand von Ihnen hat wissen können, dass Andri in Wirklichkeit Cans Sohn war, muss ich sagen, dass Sie, abgesehen davon, dass Can es immer versichert hat, dass Andri sein Sohn sei, und Sie es nur nicht glauben wollten,...
Stereotype Wiederholungen: z. B. Als wir in Minden angekommen waren, sind wir zum ...
Als wird uns dort ausgeruht haben, ... Als wir da waren, ...
Quelle: Born, Monika/ Lueg, Carl Heinrich (1979): Zur Praxis der Aufsatzbenotung. Pädagogischer Verlag Schwann, Düsseldorf. ISBN 3-590-145-3
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