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moderne Linguistik
1. Sprachtraining im mĂĽndlichen Bereich
Im Berufsschulbereich wird der gesprochenen Sprache in manchen kaufm. Berufsbereichen heutzutage oftmals eine größere Bedeutung zugesprochen als der geschriebenen Sprache. Bei der Bewertung und Verbesserung der mündlichen Sprachleistung kann der Lehrer die obigen Faktoren mitberücksichtigen, die die Kodierung beeinflussen. Dabei ist zwischen dem Text, also dem gesprochenen Text, und dem Textem, dem noch nicht Ausgesprochenen, dem Gedachten oder Kodierten zu unterscheiden. Bereits auf das Gedachte und den Kodierungsprozess wirken sich diese sieben Faktoren aus:
a) kommunikative Intention: Die Gesprächspartner bestimmen die Wortwahl, um etwas Bestimmtes erreichen zu können, dabei beeinflussen berufliche Tätigkeitsfelder die Sprache,
b) Beziehung zwischen Wissens- und Sprachspeicher: Der Wissensspeicher vergrößert sich mit der Erweiterung des Sprachspeichers. Aber es gibt auch andere Formen der Wissensvorstellung (Vormachen, künstlerische Aktivität), c) partnertaktisches Programm: das geschickte Sicheinstellen auf den Gesprächspartner,
d) psychophysische Verfassung: Sprachblockaden in Extremsituationen (PrĂĽfungssituation),
e) Präzisionsregelung: Das wiederholte Verbalisieren, wenn der Sendergedanke vom Kommunikationspartner nicht verstanden wurde, f) Zeitfaktorregelung: Die vorgegebene Gesprächszeit bestimmt die Wortwahl, d. h. der Sprachgebrauch sieht bei einem Ortsgespräch anders aus als bei einem teuren Ferngespräch. Kurze Redezeit erfordert die größte Vorbereitung.
Dieses Modell hilft dem Lehrer bei der Analyse der Mängel in der mündlichen Kommunikation oder der Analyse von Sprechakten.
2. schriftliche Kommunikation (Aufsatzlehre) a) frühere Zielsetzung der Aufsatzlehre: Verwirklichung des humanistischen Bildungsideals, Entwicklung der geistigen, sprachlichen und menschlichen Fähigkeiten, also der Aufsatz als Mittel zum Zweck der Selbstentfaltung und Selbsterkenntnis
Aus der römischen Rhetorik abgeleitet legte man Wert auf inventio (das Auffinden des Stoffes), dispositio (dessen Gliederung), puritas (Grad der Übereinstimmung mit den Normen der Hochsprache) und ornatus (der erzielte Grad an Schönheit der sprachlichen Darstellung)
b) heutige Zielsetzung der Ausatzlehre: der kommunikative Aufsatz mit inventio, dispositio und perspicuitas (Verständlichkeit des Texte)
Die Aufsatzlehre wird sich in Zukunft wohl auf eine Synthese beider Theorien hin entwickeln.
3. moderne Linguistik
a) Strukturalismus (Ferdinand de Saussure)
drei Bereiche: Phonemik, Morphemik und Syntax
Phonemik: 40 Phoneme sind die kleinsten bedeutungsunterscheidenden Zeichen der Sprache (18 vokalische und 22 konsonantische Phoneme). Es stehen 26 Buchstaben in der Schriftsprache zur VerfĂĽgung
Morphemik: Morpheme als kleinste bedeutungstragende Einheiten der Sprache, lexikalisch freie Morpheme (haus, hund), lexikalisch gebundene Morpheme (him, rechn), grammatikalisch freie Morpheme (ich, du) und grammatikalisch gebundene Morpheme (-er, -en, -e, -ig)
Syntax: hierarchischer Aufbau der Sätze in Form von Stammbäumen
Anwendung im Unterricht: Methodisch hilfreich sind die Minimalpaarbildungen, z. B. sei –t (gestern), (ihr) sei –d (fleißig) und die Wortverwandtschaft bei Ableitungen, Vater – väterlich, nicht wie im Mhd. vater – veterlich
Die morphematische Methode veranschaulicht komplexe Wörter, z. B. Unzerbrechlichkeit wie un- (Negation), zer- (Verbpräfix mit der Bedeutung von entzwei), lich (Adjektivierung), -keit (Substantivierung). Über die Kenntnis der Binnenstruktur kann auch die Schreibweise verbessert werden. Auch die Lesbarkeit einer Schrift ist wichtig, d. h. die Graphe müssen zugeordnet werden (Grapheme bestehen aus einem oder mehreren Buchstaben, Graphe sind die subjektive schriftliche Realisierung der Grapheme). In der Wortbildungslehre werden Zusammensetzungen und Ableitungen im Wortfeld vorgestellt.
b) Psycholinguistik
Der Mensch wird mit der Fähigkeit zum Spracherwerb geboren, muss sich aber seine Sprachkompetenz erst im Laufe vieler Jahre erwerben. Im Mittelpunkt der Psycholinguistik steht die Erforschung der Kindersprache. Dabei lässt sich die vorsprachliche Phase folgendermaßen gliedern:
1. der erste Schrei 2. Fähigkeit zur Unterscheidung menschlicher Laute von übrigen Geräuschen nach ungefähr vier Wochen
3. breite Lautproduktion 4. Hörstummheit
5. das erste sprachliche Zeichen nach ungefähr 12 Monaten
Der Aufbau eines strukturierten Wortschatzes erfolgt erstaunlicherweise rasch. Der Erwerb der Syntax kann in folgenden Entwicklungsstufen festgestellt werden:
1. nach ungefähr 12 Monaten: der Einwortsatz 2. nach ungefähr 18 Monaten: der Zweiwortsatz 3. nach drei Jahren: einfache Satzschemata
4. Stufe des kompetenten Sprechers: Beherrschen der Syntaxregeln fĂĽr den einfachen und den komplexen Satz
Die Art und Weise des Mutterspracherwerbs hängt sehr stark von der Sprechaktivität der Eltern ab.
c) Soziolinguistik
Während in der Psycholinguistik der altersspezifische Aspektbereich im Vordergrund steht, wird in der Soziolinguistik der schichtenspezifische Aspekt untersucht. In Deutschland begann diese wissenschaftliche Untersuchung 1959 mit dem Aufsatz von Basil Bernstein: Sozio-kulturelle Determinanten des Lernens. Mit besonderer Berücksichtigung der Rolle der Sprache.
Folgende sprachliche Merkmale, an die das Kind der Mittelschicht gewöhnt ist:
1. komplexe Satzkonstruktion mit Konjunktionen und Nebensätzen, 2. häufiger Gebrauch von Präpositionen,
3. häufige Verwendung der unpersönlichen Pronomen „man“ und „es“, 4. flexible Auswahl von Adjektiven und Adverbien,
5. Expressiver Symbolismus zur affektiven UnterstĂĽtzung,
6. Sprachgebrauch als Reflexion der Erfahrungen. elaborierter Sprachkode
Merkmale des Sprachgebrauchs eines Kindes der Arbeiterklasse:
1. kurze grammatikalische, oft unfertige Sätze mit dürftiger Syntax, 2. Verwendung einfacher Konjunktionen (so, dann, und), 3. häufige Verwendung kurzer Befehle und Fragen, 4. seltener Gebrauch der unpersönlichen Pronomen,
5. starre Verwendung von Adjektiven und Adverbien, 6. individuelle Auswahl aus einer Reihe traditioneller Wendungen, 7. die subjektive Absicht wird nicht mit Worten erklärt. restringierter Sprachkode
So verlangt ein emanzipatorischer Sprachunterricht die Zusammenarbeit mit den Eltern, um deren Sprachverhalten mitzuberĂĽcksichtigen.
Die Intelligenz der Menschen zeigt sich in der Untersuchung von Bernstein darin, dass sie es entsprechend verstehen, die sprachlichen Möglichkeiten, die sie in ihrer Gesellschaft vorfinden, erfolgreich für ihre Zwecke zu nutzen. Bei seiner Untersuchung hat er jeweils fünf Jugendgruppen der Unter- und Oberschicht unter seiner Leitung über die Todesstrafe diskutieren lassen und Wort- und Satzlänge, Zahl und Dauer der Sprechpause, grammatikalische Satzanalyse mit den Schwerpunkten Subordination, Gebrauch des Passiv, der Adjektive, Adverbien, Präpositionen, Pronomina u. a. festgehalten.
Beim kompensatorischen Sprachunterricht gibt es zwei Theorien: 1. die Defizithypothese, d. h., die Sprachmängel durch den restringierten Code sollen festgehalten und um Chancengleichheit zu realisieren durch Unterricht ausgeglichen werden, um Handlungsvorteile für die Betreffenden zu ermöglichen,
2. die Differenzhypothese, d. h., die sozial relevanten Sprachvarianten werden festgehalten und in einem kompensatorischen Unterricht sollen Defizite und Differenzen ausgeglichen werden, damit ein restringierter Sprachkode die Handlungspraxis behindert und damit die Ausbildung einer stabilen Ich-Identität (Oevermann) blockiert.
d) Semantik
Dieser Begriff kommt von dem französischen Philologen Michel Bréal, der von der Wortbedeutung (sémantique) in seinem Aufsatz 1897 „Essai de sémantique“ geschrieben hat. Es handelt sich also um eine relativ junge Wissenschaft, die früher unter „Etymologie“ die Lehre von dem Ursprung und der Grundbedeutung eingeordnet wurde. Dies stimmt nicht so ganz, wenn z. B. das Wort „Schalk“ (eine Person, die mit Heiterkeit und Schadenfreude jemand einen Possen spielt) zurückverfolgt, dann stellt man fest, dass im Gemeingermanischen dieser Begriff eine ganz andere Bedeutung hatte , nämlich „Knecht“. Man erfasst also in dieser Wissenschaft eher den historischen Bedeutungswandel. Heute wird eher die synchrone Semantik betrieben und das System und die Struktur der Gegenwartssprache erforscht. Auf diese Idee baut Leo Weisgerber seine Wortfelder auf, die im Unterricht Eingang gefunden haben. Damit ist in der Semantik das Morphem als kleinste bedeutungstragende Einheit nicht mehr länger unteilbar, sondern es kann in semantische Merkmale (den Seme) aufgelöst werden. Beispiel:
Der volle Sinn eines Wortes kann nur erfasst werden, wenn das ganze sprachliche Feld bekannt ist.
Wörter eines semantischen Feldes gehören dem gleichen Sprachsystem und der gleichen Wortklasse an. Man kann ihnen einen lexikalischen Inhalt zuordnen, der jeweils mindestens ein Merkmal mit den anderen Wörtern gemeinsam hat.
Im Unterricht werden bei hierarchischen Feldern Wörter einem Supernym zugeordnet. Im Deutschunterricht ist auch bei Fachtermini die ethymologische Methode notwendig. Die Wortfeldmethode dient dazu, feinere Bedeutungsunterschiede herauszuarbeiten, z. B. die Beziehung eines Menschen ist geprägt durch: Zuneigung, Verachtung, Liebe, Hass, Sympathie, Respekt, Fürsorge, Furcht usw. Die semantischen Merkmale werden auch in der Sprachdidaktik eingeplant, wenn das Nomen präzisiert wird über Genus, Kasus und Numerus oder das Verb über Numerus, Tempus, Modus und Valenz.
In der Sprachkunde dient die Wortfeldmethode der emanzipatorischen Spracherziehung, denn der Wortschatz der SchĂĽler kann so erweitert werden.
Beispiele aus Schäpers/Lankes: Einblicke. Sprache und Literatur für die Sekundarstufe II. Winklers Verlag
Im Bereich der Analyse und Interpretation sind denotative und konnotative Aufgaben notwendig, d. h. die lexikalische und mitklingende semantische Bedeutung zentraler Begriffe muss erarbeitet werden. In der früheren Aufsatzlehre verlangte die Begriffserläuterung diese Vorgehensweise. Aber auch bei der kreativen Werbetextgestaltung müssen ausgewählte Begriffe treffen und die Kauflust initiieren.
e) Pragmatik
Der Begriff wurde geprägt durch Charles Morris 1938 (grch. pragma = das Handeln die Tat).In der Syntax werden die grammatikalischen Beziehungen der Wörter untereinander untersucht, in der Semantik die Bedeutung der Sprachzeichen untereinander und in der Pragmatik die Beziehung zwischen Sprachzeichen und Sprachbenutzer. Beispiel:
- Monika, mach´ das Fenster zu!
- Monika, machst du bitte das Fenster zu?
- Monika, das Fenster steht auf.
Satz 2 und 3 stellen Paraphrasen zu Satz 1 dar und repräsentieren unter dem Aspekt der Syntax einen Frage und einen Aussagesatz. Der semantische Aspekt bringt bei diesen drei Sätzen nichts Außergewöhnliches, sondern erst die Pragmatik gibt Zusatzinformationen, denn der erste Satz gibt einen Befehl wieder, der zweite eine Bitte und der dritte kann als verärgerte Aussage gedeutet werden. Hierbei wird also bei geschriebenen und gesprochenen Texten das Handeln beim Adressaten untersucht und damit der kommunikationstheoretische Ansatz durch einen handlungstheoretischen ausgetauscht. Gegenüber dem Tier reagiert der Mensch nicht nur auf Reize, sondern sein Handeln wird durch gedankliche Strategieüberlegungen mitgeprägt. Das Schreiben und Sprechen sind Sonderformen des Handelns. Im Kommunikationsmodell muss beim Kodieren neben der semantischen, syntaktischen und phonologischen Kodierung auch die pragmatische Kodierung mitbeachtet werden, d. h., dass der Sprechakt so gewählt werden muss, dass die Redeabsicht beim Kommunikationspartner erreicht wird. In der Stillehre ist also auch darauf zu achten, dass es bei der Realisierung der Redeabsicht angemessene bzw. unangemessene Sprechakte gibt.
f) Operationale Grammatik
Hans Glinz fasst die 10 Wortarten in fünf Wortarten zusammen: 1. Verben, 2. Nomen 3. Adjektive (Adjektive und Adjektivadverbien), 3. Pronomen i. w. S. (Artikel, Pronomen, Numerale), 4. Partikel (reine Adverbien, Präpositionen, Konjunktionen) und 5. Interjektionen. Die fünf Satzglieder fass er in drei zusammen: 1.verbale Teile, fallbestimmte Satzglieder, fallfremde Satzglieder oder Angaben. Mit Hilfe unterschiedlicher Proben stellte er die Satzglieder zusammen (Verschiebe-, Ersatz- und Weglassprobe)
g) Valenzgrammatik
Man unterscheidet die unterschiedliche Kraft (valere = stark sein) der Verben, es gibt 0-,1-, 2- und 3-wertige Verben, d.h. die Bestimmung der Anzahl der zusätzlichen Wörter ist für einen verständlichen Satz erforderlich.
0-wertig: Es regnet 1-wertig: Der Mann spricht. 2-wertig: Wir sagen kein Wort.
3-wertig: Er schenkt dem SchĂĽler ein Buch.
h) Generative Transformationsgrammatik
Die Generative Transformationsgrammatik von Noam Chomsky ist eine Weiterentwicklung des amerikanischen Strukturalismus.
FĂĽr Chomsky ist der Geist die Hauptquelle menschlicher Erkenntnis, fĂĽr die Strukturalisten wird die Erkenntnis von den gemachten Erfahrungen abgeleitet. Fragestellungen:
1. Wie erklärt sich die sprachliche Kreativität, d. h., dass vorher nie gehörte Sätze verstanden werden?
2. Wie kann ein kompetenter Sprecher einen zweideutigen Satz oder zweideutige Begriffe wie z. B. „Elternliebe“ verstehen.
Die Beantwortung dieser Fragestellung beansprucht Ăśberlegungen der Sprachphilosophie und der Sprachpsychologie.
 Die Sprache besitzt eine Oberflächen- und eine Tiefenstruktur
 was mündlich oder schriftlich geäußert, gedankliches Konstrukt gehört oder gelesen wird
Z. B. die Elternliebe ist leider nichts Selbstverständliches. (Oberflächenstruktur) Zuordnung von zwei Tiefenstrukturen:
1. Die Eltern lieben (die Kinder). 2. (Die Kinder) lieben die Eltern. Der kompetente Sprecher/Hörer versteht nach dieser Theorie also „Elternliebe“ so, wie diese Oberflächenstruktur von der ersten oder zweiten Tiefenstruktur inhaltlich bestimmt wird, zu denen er sie in Beziehung setzen kann mit Hilfe von Prozessen, die unbewusst in seinem Zentralnervensystem ablaufen. Eine Grammatik, die sich nicht nur deskriptiv mit den Oberflächenstrukturen der Sprache auseinandersetzt, sondern erklärend sein will, muss deshalb nach Chomsky fertigbrigen, jedem Satz sowohl eine Tiefen- als auch eine Oberflächenstruktur zuzuordnen und diese beiden Analysen zueinander systematisch in ein Verhältnis zu setzen.
Wie kann ein Mensch Sätze verstehen, die er nie zuvor gehört hat? Der menschliche Geist umfasst viele hundert Regeln, mit denen Sätze generiert werden und er besitzt von Geburt an eine universale Grammatik und feste sprachliche Substrukturen, die das Erlernen einer Sprache erleichtern.
Beispiel:
Bildung eines Fragesatzes aus einem Aussagesatz durch Umstellung der beiden ersten Wörter. Gott hat die Welt erschaffen. Hat Gott die Welt erschaffen.
Ein unsichtbarer Gott hat die Welt erschaffen. Unsichtbarer ein Gott ... (Unsinn) Dies wäre eine strukturunabhängige Lösung. Satzgliedstrukturabhängigkeit bedeutet, dass hier das Subjekt aus drei Wörtern besteht d. h., Hat ein unsichtbarer Gott ...
Dazu besitzt der Mensch auch noch gewisse Substrukturen. Das sind Leerformen, die er mit Inhalten füllen muss, um sich zu verständigen.
Beispiel: Subjekt-------------Prädikat--------------- Objekt
Stammbaumstruktur
S
NPNom VP
(noun phrase - Nominalausdruck) (verbal phrase - Verbalausdruck)
Verb NPAkk
„Ich habe 80 Jahre dazu gebraucht und kann jetzt noch nicht sagen, dass ich am Ziel wäre. (Goethe)
Tiefenstrukturen sind gedanklich Strukturen, z. B. könn-, brauch-, die Deklinations- und Konjugationsendungen kommen erst in der Oberflächenstruktur dazu.
Transformationen:
1. Tilgungstransformation: Reduzierung der Namen 2. Substitutionstransformation: „Goethe“ wird durch das Pronomen „ich“ oder „Lesenlernen“ durch „dazu“ ersetzt. 3. Insertionstransformation: Konjunktion „dass“ wurde eingefügt. 4. Permutationstransformation: „wäre“ wird im Vergleich von der Tiefenstruktur zur Oberflächenstruktur vertauscht. 5. Expansionstransformation: Tiefenstruktur sag- wird in der Oberflächenstruktur zu „kann jetzt noch nicht sagen“.
Fazit: Die modernen Grammatiken ersetzen keineswegs die klassische Grammatik, die eine abendländische Gemeinschaftsleistung darstellt und nicht in allen Fällen der deutschen Sprache entspricht. So unterscheidet das Lateinische, Englische und andere europäischen Sprachen formal das Adjektiv vom Adjektivadverb. Die deutsche Sprache besitzt dagegen keine Adjektivadverb-Kennzeichnung (Das Bild ist schön. Er malt schön), deshalb hat Hans Glinz das Adjektivadverb gelöscht.
Die stärkste Bereicherung der Grammatiklandschaft kann man bei der Generativen Transformationsgrammatik feststellen. Während die traditionelle Grammatik, die operationale Grammatik und die Valenzgrammatik sich mit der gesprochenen und geschriebenen Oberflächenstruktur befasst, geht es bei der GTG um die Tiefenstruktur und damit um Sprachprozesse, die sich im Zentralnervensystem bereits abgespielt haben, bevor die mündliche oder schriftliche Artikulation erfolgt,
d. h., während mit der klassischen Grammatik Texte untersucht werden, stehen bei der GTG Texteme im Mittelpunkt. In der Handelsschule, im BGJ oder in der Berufsschule soll die traditionelle Grammatik, ergänzt um die operationale Grammatik und die Valenzgrammatik im Mittelpunkt stehen, in der Fachoberschule kann die GTG ansatzweise vorgestellt werden.
Man sollte das Einpauken von Grammatik vermeiden, sondern das entdeckende Lernen und Problemlösen in den Vordergrund stellen. Mit der GTG können mit Hilfe der Stammbäume Satzstrukturen deutlich gemacht werden, um parallel die Zeichensetzung zu verstehen. Bei der funktionalen Grammatik bleibt es nicht nur bei der Beschreibung grammatischer Formen, sondern es wird zusätzlich der Zusammenhang zwischen Form und Funktion untersucht, d. h., warum gerade der Konjunktiv an einer bestimmten Stelle eingesetzt wird usw.
Quelle:
Nemitz, Werner: Moderne Linguistik in der Unterrichtspraxis. HerderbĂĽcherei. Band 9311
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