MedienpÀdagogik im Deutschunterricht des kaufm. Schulwesens

 

Synopse

 

Handelsschule

Fachoberschule

Berufsschule

BGJ

-  Unterscheidung   von Medien:

   



  • Printmedien

 

  • auditive Medien

 

  • audio-visuelle Medien

 

-    Unterscheidung von

     Informations- und Unter-

     haltungsfunktion

 

 

-    Darstellungs-   mittel und
 ihre Wirkung

 

 

-   Unterscheidung zwischen

    RealitĂ€t und virtuellen

    Welten der Medien

 

-   Hinterfragung des Me-
dienkonsums

­         geschichtliche Entwicklung und Unterscheidung der Massenmedien

·        Geschichte der Medien

·        Massenmedien

 

 

­         kritische Medienbeurteilung

·        Informationsauswahl  und -prĂ€sentation als Pressearbeit

 

 

·        Bild- und Filmauswahl bei Nachrichtensendungen

 

 

·        Spielfilme

 

·        Information in Hypertexten

 

·        virtuelle Welt

 


­         Die Lernenden können sprachlich korrekt und situationsgerecht telefonieren

Die Lernenden erfassen gesprochene Texte (Rundfunk, Fernsehen).

Die Lernenden analysieren Inhalte und Aussageabsichten auditiver Produktionen (Hörgedichte, Lieder, Schlager).

-      Zeitungen

-      Lexika

 

-      Internet

 

 

 

1. Definition von Medien:

Das Wort „Medien“ stammt vom lat. Adjektiv „medium“ ab, was so viel wie „in der Mitte befindlich“, „mittlerer“ bedeutet. Die Verwendung des Begriffs steht in Verbindung mit „der Idee der Vermittlung, der Idee des Zentrierens, der Idee eines TrĂ€gersystems geistigen Ausdrucks, das sich von örtlicher und zeitlicher Gebundenheit löst“.

vertiefende Definition:

·        Die Medien sind die „technische und organisatorische Infrastruktur fĂŒr die Kommunikation.

·        Ein Medium umfasst „alle jene technischen Instrumente und Apparaturen, mit deren Hilfe publizistische Aussagen an die Öffentlichkeit weitergeleitet werden“.

·        â€žMedien sind Vermittlungsinstanzen. Zur Vermittlung benötigen sie nicht nur eine Öffentlichkeit, eine PrĂ€sentationsstĂ€tte fĂŒr das Mitzuteilende und eine TransportkapazitĂ€t, sondern auch einen Inhalt. Was Medien transportieren, sind Bedeutungen, die auf einen Gegenstand oder einen Sachverhalt verweisen“.

·        â€žUnter Medien werden in unserem Zusammenhang materiell-mechanische oder energetische (elektrische, elektromagnetische, elektronische optoelektronische) TrĂ€ger und Übermittler von Daten bzw. Informationseinheiten und mechanische sowie elektronische Mittel der Datenverarbeitung verstanden, dies im Sinne der drei medienlogischen GrundphĂ€nomene der Speicherung, Übertragung und Bearbeitung“.


2. Medien als Teil der Kommunikation:
Was ist eine Kommunikation?
Kommunikation ist ein soziales PhĂ€nomen, zielt auf eine Mitteilung ab, dient der Durchsetzung von Interessen, ist Interaktion, braucht immer ein Medium, findet ĂŒber Symbole statt.

 

Die Kommunikation benötigt immer ein Medium:

Medien sorgen fĂŒr den Austausch der Botschaften zwischen den Kommunikationspartnern mit Hilfe von Mimik, Gestik, Sprache, Schrift, Bild oder Ton von Angesicht zu Angesicht oder ĂŒber papierene oder elektronische Übertragungs- und Speichertechniken. Dabei benutzen die Partner Symbole aus einem gemeinsam verfĂŒgbaren Zeichenvorrat, d.h., dass die Symbole anstelle des jeweiligen Gegenstandes im Bewusstsein der Kommunikationspartner Vorstellungen und Gedanken hervorrufen.

Lasswell-Formel (Harold Lasswell, amerikanischer Politikwissenschaftler, formulierte 1948 seine Formel):
Wer sagt was, in welchem Kanal, zu wem, mit welcher Wirkung?
Kommunikator (Autoren, VerkÀufer)
Aussage: (Sportbericht, Musiksendung)
Medium: (Fachbuch, Tageszeitung, Radiosendung, Internet)
Rezipient: (SchĂŒler, Leser, Hörer)
Wirkung: (Ausbildung, Information, Unterhaltung)


3. das Bild (Literaturverfilmung)

a) GrundĂŒberlegungen (Einstellungen)
- Detail: extreme Großeinstellung, offen, enthĂŒllend, Ă€ußerst emotional
- Groß: kleiner Ausschnitt des Ganzen (z. B. bildfĂŒllender Kopf)

- Nah: bei Personen, ein Drittel der KörpergrĂ¶ĂŸe
- Amerikanisch: Einstellungen aus amerikanischen Western, Darstellung einer Person vom Scheitel bis zu den Knien, um mögliche Reaktionen mit dem Revolver zu zeigen.

- Halbnah: ein Teil der Landschaft wird integriert, Auslösung einer objektiven Bild Wirkung
- Totale: Überblick ĂŒber das normale Geschehen, wie es ein distanzierter Beobachter wahrnimmt.
- Weite: Personen spielen keine Rolle mehr, Verwendung der Landschaftsdarstellung


b )Perspektiven:

- Normalperspektive: aus dem Blickwinkel eines Beobachters, Herstellung der Vertrautheit mit den gezeigten GegenstÀnden


- Froschperspektive: Blick von unten nach oben, GegenstÀnde wirken bedrohlich, Entstehung einer visuellen Faszination


- Vogelperspektive: von oben betrachtet, GegenstÀnde wirken bedeutungslos, Personen werden optisch erniedrigt

 

- schrÀge Perspektive: zusÀtzlich zu den genannten Perspektiven wird der Blick um eine optische LÀngsachse gedreht, dramaturgische Bildwirkung

 

c) die Kamera als Ausdrucksmittel:
- die SchĂ€rfefahrt: bewusste Auswahl von hervorzuhebenden GegenstĂ€nden und Personen sowie  SchĂ€rfewechsel

-  Kadrierung: statische Platzierung von Objekten und Personen in einen Bildrahmen (Interviewsituation)


- Phi-PhĂ€nomen: BewegungstĂ€uschung, bei schneller Bildfolge werden die optischen Reize simultan empfunden, bei langen Reizintervallen bewusste Wahrnehmung der EinzelphĂ€nomene, ab 16 Bilder/Sek. wird die Bewegung fließend empfunden (Videofilme: 25 Bilder/Sek.)
Der Begriff stammt aus der experimentellen Gestaltpsychologie (Max Wertheimer).

Beispiel: In einem abgedunkelten Raum leuchten zwei nebeneinanderliegende Punkte abwechselnd auf, es entsteht der Eindruck, dass ein Punkt hin und her springt.


der Kameraschwenk
- Horizontalschwenk: ein statisches Bild am Anfang und am Schluss des Schwenks und eine Landschaftspanoramaaufnahme dazwischen.


-Neigung: AufwÀrts- und AbwÀrtsschwenk auf einer vertikalen Achse, Höhe des GebÀudes kann betont werden

 

- Kamerafahrt: VorwĂ€rtsfahrt, Verengung des filmischen Raumes (Halbtotal → Nah) und RĂŒckfahrt, vom Besonderen zum Allgemeinen, Parallelfahrt, die Kamera bewegt sich mit der sich bewegenden Figur, VerĂ€nderung der Umgebung, 360 ˚-Fahrt, starke Raumillusion


- Zoom: Aufzieher, z. B. von einem Detail zu einer totalen Aufnahme, Bewegung entstehen durch VerÀnderungen der Brennweite.


- Vertigo-Effekt: Eine Kamerafahrt wird mit einer umgekehrten Zoombewegung kombiniert, RĂŒckwĂ€rtsfahrt mit VorwĂ€rtszoom.

d) Lichtgestaltung

- Key Light: FĂŒhrungslicht, die Sonne oder ein Fenster mit natĂŒrlichem Licht oder die Ausleuchtung von Hauptpersonen, mit BerĂŒcksichtigung der Schattensituation
- Fill: Aufhellung, AbschwÀchung des Schattens
- Back Light: Das Licht wird schrÀg hinter die Personen gesetzt, um sie vom Hintergrund abzuheben.
Beleuchtungsstile:
- Normalstil: Personen und Objekte erscheinen so wie bei normalem Tageslicht.
- High Key: sehr helles und gleichmĂ€ĂŸiges Licht, freundliche Grundstimmung, positive AtmosphĂ€re

- Low Key: durchgehende SchattenflÀchen,


4. der Ton

a) Musik

Instrumentierung, MelodiefĂŒhrung und Harmonie, Tempogestaltung, LautstĂ€rke (Dynamik)
Score Musik: spezielle Kompositionen fĂŒr den film
Source Musik: Verwendung vorhandener Musik
kontrastierende MusikeinsÀtze

b) GerÀusche
- Atmo: natĂŒrliche GerĂ€uschkulisse
- Sound Effects (Telefonklingel, BremsgerÀusche...)

- Special Effects: keine in der Natur vorkommende GerÀusche

c) Sprache

- ErzÀhlerstimme, Off-Ton
- Sprachgestaltung, Artikulation, Sprachfrequenz

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Filmanalyse

 

Bei der Literaturverfilmung geht es fast ausschließlich um Spielfilme oder spielfilmartige Animationsfilme. Spielfilme sind fiktionale ErzĂ€hltexte, dabei wird der Textbegriff hier medienĂŒbergreifend verwendet. „Text“ ist ein strukturierter Verband von Zeichen, dem die Funktion zugedacht ist, im Aufeinandertreffen mit der Vorstellungswelt des Rezipienten Wirkungen zu erzeugen. Fiktional sind Spielfilme per Definition in ihrer Abgrenzung zu Dokumentarfilmen. Spielfilme beinhalten als „ErzĂ€hlungen“ Handlungen oder Ereignisse, die von einer ErzĂ€hlinstanz geschildert werden. Daraus ergeben sich die Story, der ErzĂ€hlstoff, und der Diskurs, d. h., wie eine Geschichte erzĂ€hlt wird, der Plot (alle sicht- und hörbaren Geschehnisse). 

Der Plot lÀsst sich in vier Elemente unterteilen:
1. ein rÀumlich-figurales Element (ErzÀhlraum: alle dargestellten rÀumlichen Elemente, in-
    klusive Figuren)

2. ein zeitliches Element (ErzÀhlzeit: dargestellter Geschehensablauf)
3. ErzÀhlsituation
4. ErzÀhlstil
ErgÀnzt werden diese vier Elemente durch die filmische Textgestaltung:
Kamera, der Inszenierung vor der Kamera, der Montage und zusÀtzlichen filmischen Nachbereitung (der Inszenierung oder Mise-en-scÚne). Die Inszenierung lÀsst sich untersuchen durch das raumzeitliche Setting inklusive Ausstattung, Licht, Schauspiel und Figuren, Ton und Spezialeffekte

Leitfragen zur Filmanalyse:


                                                                die Kamera

1. Werden alle fĂŒr das Geschehen relevanten Figuren und Objekte im On dargestellt? Erfolgt die Darstellung so, dass sie alle geschehensrelevanten Informationen ĂŒber die Figuren und Objekte liefert? Erfolgt die Charakterisierung der Figuren direkt oder indirekt.

 

2. Welche Auswirkungen hat das Fehlen von geschehensrelevanten Informationen bzw. Figuren und Objekte im On. Tragen diese LĂŒcken dramaturgisch zur Spannung bei?

 

3. Wenn nicht, lassen sie sich möglicherweise atmosphÀrisch, symbolisch oder sonst wie erklÀren?

 

4. Wirkt der On-Raum geschlossen oder zum Off hin geöffnet?

 

5. Welche AuffĂ€lligkeiten gibt es bezĂŒglich der Perspektive, EinstellungsgrĂ¶ĂŸe und Bewegung im Einsatz der Kamera.


6. Signalisieren mögliche AuffÀlligkeiten Verschiebungen in Ort und Zeit (Erinnerungen), Wahrnehmung (Wahnsinn, Drogenerfahrung..) oder im Seinsbereich (TrÀume, Visionen) und wie beeinflussen sie den weiteren Rezeptionsverlauf und die Charakterisierung der dargestellten Personen.

 

7. Welche EinstellungsgrĂ¶ĂŸen dominieren den Film?

 

8. Werden die EinstellungsgrĂ¶ĂŸen vom Geschehen bestimmt und dienen damit einer ĂŒbersichtlichen oder verstĂ€ndlichen Darstellung des Geschehens?

9. Inwiefern dienen die Groß- und Makroeinstellungen der emotionalen Charakterisierung?

 

10. Wodurch werden die Kamerabewegungen ausgelöst? Folgen Sie Bewegungen von Figuren und Objekten?

11. Worauf lenkt die Kamerabewegung die Aufmerksamkeit des Zuschauers? LÀsst sich das aus dem Geschehen erklÀren.


12. Zu den wichtigsten Ausstattungselementen des Settings gehören neben dem Mobiliar, Fahrzeugen und GebrauchsgegenstÀnden vor allem die Kleidung der Protagonisten. Inwiefern trÀgt das Setting zur raumzeitlichen und sozialen Einordnung des Geschehens bzw. der Figuren bei? Mit welchem Setting beginnt der Film? Welche Erwartungen werden dadurch geweckt? Welche AtmosphÀre wird durch das Setting geweckt?

13. Was sagen die Kleidung, die WohnverhĂ€ltnisse und die GegenstĂ€nde  ĂŒber die dargestellten Personen aus, reprĂ€sentieren sie ein bestimmtes Milieu.


Licht

 

1. An welchen Stellen weicht die Lichtgestaltung von der Darstellung der natĂŒrlichen LichtverhĂ€ltnisse ab? Welche GrĂŒnde gibt es dafĂŒr?

2. Inwiefern prÀgt die Lichtgestaltung die AtmosphÀre des Films?


3. Charakterisiert die Lichtgestaltung bestimmte Personen oder schafft sie eine bestimmte Raumwirksamkeit?

 

Schauspiel und Figuren

 

1. Erscheinen die Figuren des Films eher individuell oder eher typisiert? Wie authentisch wirken sie?

 

2. Wie werden die sozialen Rollen im Filmgeschehen erkennbar?

3. Welche Figuren ĂŒbernehmen Handlungsrollen (role-making) und gehören damit zu den Hauptfiguren und welche Figuren ĂŒbernehmen Funktionsrollen (role-taking), die man als Nebenfiguren und Statisten bezeichnet.

 

4. In welchem BezugsverhÀltnis (Konfiguration) stehen die Personen zueinander.

5. Welche Möglichkeit zur Identifikation bietet sich ĂŒber die Figuren fĂŒr den Rezipienten?

Ton

1. Inwiefern trÀgt die Figurenrede zum VerstÀndnis und zur Charakterisierung der Personen bei?


2. Gibt es eine ErzĂ€hlerfigur? Wie verhĂ€lt sich ihre Rede zum Bild? Wirkt sie objektiv oder subjektiv? Welche Rolle spielt die ErzĂ€hlerfigur fĂŒr das Geschehen.

3. Inwiefern charakterisiert die Musik den erzÀhlten Raum und trÀgt zu dessen historischer und kultureller Einordnung bei?

4. Gibt es Leitmotive, die an bestimmte Personen, RĂ€ume oder Stimmungen gebunden sind?

5. An welcher Stelle unterstĂŒtzt die Musik die Darstellung im Bild? An welcher Stelle wird sie kontrapunktisch verwendet?


6. Wirkt die GerÀuschkulisse authentisch? Wie verhalten sich die GerÀusche zu On und Off?

 


ErzÀhlung und ErzÀhlstil

 

1. Erfolgt die ErzÀhlung unsichtbar oder werden erzÀhlerische Eingriffe kenntlich gemacht?

 

2. VerÀndert sich die ErzÀhlsituation im Laufe des Films.

 

3. Welche Figuren stehen im Empathiezentrum? (BegrĂŒndung)

 

4. LÀsst die filmische Gestaltung eine eigenstÀndige Handschrift erkennen?


5. LĂ€sst sich die filmische Gestaltung einem bestimmten Genre zuweisen?

 

6. Wie fĂŒgen sich ErzĂ€hlraum, ErzĂ€hlzeit, ErzĂ€hlsituation und ErzĂ€hlstil zusammen?

7. Welches Vorwissen ist zum VerstÀndnis des Filmes notwendig?

 

Arbeitsblattgestaltung (Schlafes Bruder)


1. Ausgehend von der RomanlektĂŒre: Wie wĂŒrden Sie die Rollen von Elias und Elsbeth besetzen? (Aussehen, Alter, Kleidung, ...)

2. Sie sehen zwei Szenen aus Vilsmaiers Verfilmung und vergleichen die Darstellung von Elias und Elsbeth mit ihren Vorstellungen.

3. Charakterisieren Sie „Film-Elias“ und „Film-Elsbeth“ mit ihren Vorab-Vorstellungen.
   
4. Welche Abweichungen ergeben sich zur Romanvorlage.

5. Lesen Sie die erste Szene des Romans und ĂŒberlegen Sie in der Gruppe, wie sich der Romananfang filmisch umsetzen ließe.

6. Schauen Sie sich die Anfangsszene an und begrĂŒnden Sie mögliche Abweichungen zu den eigenen Vorstellungen und zum Romananfang.


7. Teilen Sie das Romangeschehen in fĂŒnf - sechs Abschnitte auf und ĂŒberlegen Sie sich die Bedeutung der einzelnen Abschnitte fĂŒr die gesamte Story.


8. Achten Sie bei der Filmbetrachtung auf die einzelnen Storyabschnitte. Sind welche dazu gekommen oder wurden welche gestrichen?

 

9. Fassen Sie die formale Darstellung (ErzÀhlsituation, Aufbau, ErzÀhlstil) stichwortartig zusammen.

10. Inwiefern sind die formalen Darstellungen im Film umgesetzt worden?

11. Geben Sie die Themenkreise im Roman an.

12. Wie sind die Themenkreise im Film gewichtet worden?

13. Fassen Sie die Kernpunkte der Kritik zusammen.

Volk, Stefan (2006): Filmanalyse im Unterricht. Zur Theorie und Praxis von Literaturverfilmung. Schöningh Verlag, Paderborn. BN: 978-3-14-022264-8