Aktiv lesen

 

1. Texte erschließen:

a) Unterstreichen, Markieren, Schlüsselwörter, Randnotizen
Es muss darauf geachtet werden, dass wirklich nur das Wichtigste unterstrichen wird, damit der Text noch übersichtlich bleibt. Besonders wichtige Schlüsselwörter können durch Einreisen bzw. Einkästeln hervorgehoben werden. Zusätzliche Randnotizen erleichtern das spätere Bearbeiten des Textes.

 

b) Gelenkstellen erfassen: Gliederungssignale und Strukturwörter nutzen

Als Gliederungssignale werden Nummerierungen (1., 2. ...), Jahreszahlen als Hinweis auf eine chronologische Abfolge, z.B. seit 1945, vor drei Jahren, und Konjunktionen, z.B. darüber hinaus, außerdem …, als Erweiterungsmöglichkeit genutzt.

Strukturwörter wie Konjunktionen, Adverbien und Pronomen stellen logische Zusammenhänge zwischen den Sätzen her und wirken textgliedernd. (allerdings, also, darum, um … zu, zum anderen …)

 

c) Fragen zum Text formulieren

Mit Problemfragen kann ein Schüler ebenfalls einen Text erschließen: Wer?, Wann?, Wo?, Was?, Wie?, Warum?
Das Erkennen der Textstruktur lässt sich auch mit einem Textpuzzle üben. Die Reihenfolge von Sätzen eines Textes wird verändert, die Sätze nummeriert und die Schüler können einzeln oder in der Gruppe unter Beachtung der Textkohärenz die Sätze logisch richtig zusammenstellen.

 

2. ökonomisch lesen

a) adaptives Lesen

Bevor gelesen wird, muss die Leseabsicht erklärt werden, das lässt sich aus dem gezielten Arbeitsauftrag des Lehrers erkennen. Mit dem Lesen soll beispielsweise die Neugierde befriedigt (Zeitungslesen), vorhandenes Wissen ergänzt oder einen Text für eine Prüfung behalten werden. Man spricht in diesem Zusammenhang vom adaptiven Lesen, d.h. das Lesen wird an die Leseabsicht angepasst.


b) antizipieren

Der Begriff „Antizipieren“ stammt aus der kognitiven Lerntheorie. Mit „Antizipieren“ ist eine Vorwegnahme des im Text erwarteten Inhalts gemeint, dabei macht man sich bewusst, was man schon über den Text weiß. Dabei ist die Überschrift sehr wichtig, daher kann man Schüler beauftragen, nach dem Vorstellen des Titels spontane Gedanken zu äußern.

 

c) Anlesen

Für Facharbeiten ist es oft notwendig, Untertitel, Inhaltsverzeichnis, Vorwort, Klappentext, Zusammenfassungen am Ende des Buches zu lesen um zu entscheiden, ob das Buch geeignet ist.


d) selektives Lesen

Wenn nur bestimmte Informationen aus einem Text verwertet werden sollen, dann muss ökonomisch vorgegangen werden, d.h. der Text wird schnell gelesen und nur die relevanten Textstellen müssen sorgfältig gelesen werden. Z. B. kann in einem Lexikonartikel die Worterklärung eines Begriffs wichtig sein, aber nicht die Etymologie.

 

 

e) konzentriertes Lesen und Behalten
In diesem Fall ist das antizipierte Lesen wichtig, d.h. bei einer Biografie macht man sich im Vorhinein bewusst, welche Daten registriert werden sollen, z.B. Lebensdaten, Familie, Ausbildung, Erfolge usw.


3. Zusammenfassung des Gelesenen

a) die Überschrift als Form der Zusammenfassung
Schüler formulieren zu Texten knappe Überschriften in nominalisierter Form, die anschließend in einer Gruppe bewertet werden.

 

b) Konspekte als Vorstufe zur Inhaltszusammenfassung

Schüler erarbeiten zu den Abschnitten eines Textes jeweils eine Überschrift, um sie anschließend zu einem Text miteinander zu verbinden.

 

c) Zusammenfassungen zu einem Text in zwei Sätzen

Im Alltag kommen folgende Fragen häufig vor: Was liest du da? – Von wem ist es? – Und worum geht es?

1. Satz: Erscheinungsjahr, Textsorte, Titel, Autor/in, Thema, Problem

2. Satz: nähere Informationen ( Anlass, Fachrichtung des Autors, Fragestellung, Ziel, Schlussfolgerung, Bewertung)


4. Gelesenes festhalten zur weiteren Verarbeitung

a) Lesenotizen auf Karteikarten

Eine Karteikarte zwingt dazu, sich kurz zu fassen


b) Exzerpieren
Exzerpieren – das wörtliche Herausschreiben von Textpassagen mit eigen formulierten Einleitungen, Überleitungen oder Anmerkungen. Voraussetzungen sind das richtige Zitieren und Bibliografieren.

c) Leseergebnisse als Tabelle oder Liste
Der Schüler übt die schwerpunktmäßige Erfassung eines Textes in horizontaler und vertikaler Richtung.

d) Gelesenes visualisieren
Die Baumdiagrammtechnik mit Verwendung vorher festgelegter Symbole eignet sich hierfür, Texte zusammenfassen als optische Übersichten.


5. Lesen von Tabellen und Grafiken

a) Tabelle

Der Lehrer soll zuerst kurz darstellen, um welche Thematik es in der Tabelle geht, um dann den Schüler aufzufordern, sich spontan zu äußern. Anschließend werden Informationen zu den einzelnen Spalten zusammengestellt unter Berücksichtigung von Schwankungen, Minima, Maxima

 

b) Bearbeitung von Säulen-, Kurven- und Kreisdiagrammen oder Kombinationen

Hackenbroch-Krafft, Ida u.a. (2004): Aktiv lesen. Methodentraining für die Arbeit mit Sachtexten. Schöningh Verlag Paderborn. BN: 022432 X

 

Aktiv lesen

2. Informationsblatt

1. der Leseprozess:

 

Kenneth Goodman: „Lesen ist ein psycholinguistisch kognitives Probierverhalten.“

Man kann sich das Lesen wie eine kreisende Bewegung im Umfeld von Denken und Sprechen  vorstellen, dabei hängt das Sinnverstehen nicht nur vom Text, sondern auch von der Individualkompetenz ab, d.h. von der Fähigkeit der Person Lexik und Dekodierungsstrategien entsprechend zu kennen und über inhaltliche Erfahrungen zu verfügen.

 

Ulric Neisser: „Lesen ist äußerlich gelenktes Lernen.“ Dieser Prozess wird niemals beendet sein, da die qualitative Verbesserung des Denkens und das Vertiefen der Gedanken nie zu Ende sein wird und das wird Goethe gemeint haben, wenn er von den Mühen des Lesens gesprochen hat.

 

Am Beginn eines Leseprozesses steht die optische Wahrnehmung der Schrift, wobei die Größe der simultan erfassten Einheiten  (Buchstabe, Silbe, Morphem, Wort, Satzteil, Satz) nicht generell beantwortbar ist. Man kann feststellen, dass die Wahrnehmung der Schrift kognitiven Prozesse auslöst und das latente Wissen um Phonologie, Morphologie, Syntax, Lexik und bei größeren Texten Literatur und Textstruktur in den Denkprozess einbezogen wird.
Aus dem Selbsterfahrungstest heraus hat Erwin Schwarz festgestellt:


dass ein erwachsener Leser in der Regel bekannte und charakteristische Wörter nicht mit allen Schriftzeichen wahrnimmt, sondern Einzelwörter aus dem Kontext heraus dekodiert,

 

dass er jeweils nach Schwierigkeitsgrad des Textes große Textsequenzen simultan erfasst, nur bei schwer lesbaren und schwierigen Texten greift er auf Einzelbuchstaben zurück,


das beim Lesen keine Reproduktion des Klangbildes vorgenommen wird, außer bei schwierigen oder emotional aufgeladenen Texten.

 

2. Lesetechniken

a) punktuelles Lesen:

Der Text wird nach bestimmten Schlüsselwörtern durchforstet und nach dem Auffinden wird die Textumgebung gelesen.


b) intensives Lesen:

Der Gesamttext wird intensiv gelesen, um entsprechende Schlüsse zu ziehen, zwischen den Zeilen zu lesen oder Zusammenhänge zu interpretieren. Textstellen werden markiert, Randnotizen werden erstellt und Notizen gemacht.

c) fortlaufendes Lesen:

Der Text wird in gleichmäßiger Geschwindigkeit gelesen.

 

d) diagonales Lesen:
Um sich einen schnellen Überblick zu verschaffen, wird der Text überflogen, schwierige Stellen übersprungen mit dem Ziel, die Kernaussagen schnell zu erfassen.