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Fragen zum Kapitel: 1. Welcher jüdische Brauch ist mit dem Trauerjahr von Hans verbunden? (S. 7) Man nennt diese Trauerperiode „Awelut“, in der die hinterbliebenen Kinder des Verstorbenen an keinen Festlichkeiten teilnehmen dürfen und der Sohn jeden Tag während 11 Monaten das Totengebet „Kaddisch betet.
2. Warum kommt Arno Bronstein von den Ereignissen, die die Juden im Dritten Reich erfahren haben, nicht weg, was für Hans nicht nachvollziehbar ist? Arno hat durch die Deutschen im Konzentrationslager viel Leid erfahren müssen, während Hans nach dem Krieg erst geboren wurde und von seinem Vater über diese Zeitphase nichts erfährt. 3. Warum sprechen die drei Entführer von Heppner in jiddischer Sprache? (S. 222 Z. 23 ff.) Diese Sprache grenzt Außenstehende von diesem Geschehen ab, stellt ein kommunikatives Bindeglied der drei Personen dar und sie können so das Geschehene besser verarbeiten. 4. Welche unterschiedliche Auffassung besteht zwischen Arno und Hans Bronstein, wenn es um die Bestrafung der NS-Verbrecher geht? Der Vater vertritt die Auffassung, dass die Deutschen aufgrund fehlender moralischer Über- zeugung nicht in der Lage sind, den Aufseher zu bestrafen, außerdem sind es Opportunisten und daher minderwertig. Der Sohn will nur den rechtsstaatlichen Weg bei der Bestrafung von Heppner akzeptieren.
3 Vergangenheitsbewältigung des Faschismus
3.1 in der DDR
Es war für viele Juden nach 1945 unmöglich, im Haus des Henkers zu verbleiben und den Juden, die in Deutschland weiterhin lebten, wurde von den übrigen Juden der Vorwurf gemacht, dass man ein Verräter sei, wenn man weiterhin in diesem Land lebe.
Die DDR-Regierung fĂĽhlte sich fĂĽr die nationalsozialistische Vergangenheit nicht verantwortlich, schlieĂźlich hatten die Sozialisten die FĂĽhrung im Kampf gegen den Faschismus eingenommen.
Welche Fragen bieten sich zu diesem Bereich an: 1. Wie steht Hans zu den sog. Wohltaten des DDR-Regimes für die Opfer des Faschismus? S. 52 f. Er lehnt es wie sein Vater ab, als Opfer des Faschismus anerkannt zu sein. Arno Bronstein hat mit Kwart eine größere Auseinandersetzung, als dieser ihm mitteilt, dass Opfer keine Rundfunkgebühren zu zahlen haben, für ihn ist dies eine Demütigung. Auch Hans lehnt diese Rolle gegenüber Lepschitz ab, da sein Vater bei seiner Geburt kein Opfer des Faschismus gewesen ist. Er behauptet eher ein Opfer der eigenen Dummheit zu sein. Erstaunlicherweise nutzt er aber die Möglichkeit sehr wohl bei der Beantragung eines Studienplatzes. 2. Wie begründet Arno Bronstein seinem Sohn gegenüber sein Misstrauen in die ostdeutsche Nachkriegsjustiz und rechtfertigt damit seine Selbstjustiz? S. 80
4 Vater-Sohn-Tochter-Beziehung und Martha
Fragen zu diesem Kapitel:
1. Warum ist Marthas Engagement in dem Film „Drei Jahre vor dem Anfang“ für Hans eine große Enttäuschung?
2. Was will Hans ausdrücken, wenn er sagt, … „ ich war inzwischen ein Meister im Verschweigen“ (S. 113)?
3. Warum ist Hans enttäuscht, als Martha von ihm Geld leihen will und ihn nicht bittet, das Verhältnis fortzusetzen?
4. Wie reagiert Martha, als Hans ihr und ihrem Freund absichtlich entgegenläuft?
5. Warum hat Elle ihrem Vater verraten, dass Hans mit ihr ĂĽber die EntfĂĽhrung Heppners gesprochen hat?
6. Zu welchen widersprüchlichen Gedanken kommt Hans im Zusammenhang mit Rahel? S. 226 Für Hans ist Rahel aufgrund ihrer fürsorglichen Art ein Mutterersatz, aber ihre mütterliche Fürsorge wird ihm auch zeitweise lästig.
7. Welches Charakterbild von Elle entsteht durch die Manipulation mit den Tabletten im Zusammenhang mit Schwester Hermine?
8. Wie verschlechtert sich der Allgemeinzustand von Arno Bronstein während des Verhörs?
(S. 270 ff.)
9. Textstelle: S. 129, Z. 18 bis Seite 131, Zeile 5
a) Ordnen Sie die Textstelle in den Gesamtzusammenhang des Romans ein.
b) Untersuchen Sie die Ursachen für die unterschiedlichen Ansichten von Arno Bronstein und Hans. c) Welche Konsequenz ergibt sich aus der fehlenden Überzeugung der beiden Gesprächspartner?
5 die ĂĽbrigen Personen und Ereignisse in der DDR der 1973er/1974er Jahre
5.1 Hugo und Rahel Lepschitz
5.2 Gordon Kwart und Rotstein
5.3 Arnold Heppner
5.4 Werner Klee (Halbfreund)
5.5 Gitta Seidel
5.6 Schwester Hermine
5.7 Wanda
5.8 außergewöhnliche Ereignisse in der DDR während der Handlungszeit
Auftrag der Hauptverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR reiste Guillaume als Offizier im besonderen Einsatz 1956 in die Bundesrepublik und profilierte sich innerhalb der SPD bis zum persönlichen Referenten von Willy Brandt, für den er die Parteitermine und den Schriftverkehr mit Parteimitgliedern zu organisieren hat. Am 25. April 1974 wurde Guillaume wegen Spionage verhaftet. Im Zuge der Ermittlungen ergab sich, dass Guillaume Dossiers über das Privatleben von Brandt zusammengestellt hatte. Am 5. Mai 1974 verkündete Brandt seinen Rücktritt.
Weltfestspiele der Jugend und Studenten
Die Weltfestspiele der Jugend und Studenten finden regelmäßig statt und wurden vom Weltbund der demokratischen Jugend gegründet. Die teilnehmenden Jugend- und Studierendenverbände sind überwiegend links, oft kommunistisch ausgerichtet. Im Westen hatten diese Spiele nur eine geringe Bedeutung. In der DDR fanden 1973 die Weltfestspiele in Ost-Berlin statt, dazu kamen in neun Tagen acht Millionen Besucher mit 25 600 Gästen aus 140 Staaten zusammen. Aus der BRD reisten 800 Jugendliche an. Auf 95 Bühnen gab es Beat- und Rockmusik (ein Ost-Woodstock).
Tod von Walter Ulbricht
Im Alter von 80 Jahren starb der in Leipzig 1893 geborene Staatsratsvorsitzender der DDR Walter Ulbricht während der Weltfestspiele 1973. Ulbricht kam 1945 nach Berlin und übernahm die Leitung der Stadtverwaltung. Im April 1946 vereinigte er die KPD und SPD zur SED. Bei der Staatsgründung wurde er stellvertretender Ministerpräsident und 1960 Staatsratsvorsitzender. Er war ein entschiedener Gegner der West-Annäherung und beharrte auf einem Anspruch auf West-Berlin, während der Kreml bereits Gesprächsbereitschaft signalisierte. Erich Honecker wird dagegen immer stärker von den Russen gefördert, so dass Ulbricht 1971 zurücktrat, wenige Tage vor der Annäherung von Ost und West, gegen die er sich so lange gesträubt hatte.
6 Sprache, Erzählweise, Film-Literatur-Vergleich, Aufsatzthemenideen
6.1 Sprache und Erzählweise
Man kann einen fast zynischen Sprachduktus als Mittel der Distanz feststellen. Ein typisches Beispiel ist der 1. Satz, aus der die Information über den Tod des Vaters entnommen werden kann. „Er kam auf die denkbar schwerste Weise zu Schaden, er starb. Es folgt der Berichtsteil über den Zeitrahmen: am vierten August 73, an einem Sonnabend...
Der erkennbare Zynismus wird als Mittel der Distanz gebraucht: „Ich habe es kommen sehen.“ „Der Tod des Vaters hat mich die Hälfte des Verstandes gekostet.“ Es wirkt sich der jugendliche Selbsterhaltungstrieb als Mittel der Verarbeitung aus. Er wünscht sich nach dem Trauerjahr „das steinerne Herz“, d. h., er will eine ruhigere Lebensführung anstreben. Nur durch die unterkühlt wirkende Sprache gelingt es Hans, die seelischen Probleme im Zusammenhang mit der Gefangenennahme, dem Abkühlen der Beziehung zu Martha und der Distanz zu den Lepschitz in den Griff zu bekommen. „Seit ich hier wohne, ist unsere Herzlichkeit verfallen. Man muss genau hinschauen, um noch einen Rest zu entdecken.“
Bittere Ironie wird erkennbar, als Martha ihm ein Glas Wein anbietet und er sagt: „Der Mensch ist doch kein Flussbett.“
Komik und Humor sind zwei wichtige Bestandteile des Schreibens von Jurek Becker. „Die Ingredienz Humor ist ein wichtiges, aber die Lust, das Komische in einer Situation zu suchen, das ein anderer nicht sieht- das halte ich fast für ein must, wie die Amerikaner sagen.
Den emotional authentischen Sprachgestus merkt man nur im Gespräch mit Elle. Elle hat ihren Mittelpunkt der Welt auf der Wiese der psychiatrischen Anstalt gefunden. Sie ist ein psychisch verletztes Opfer des Holocaust und reagiert ihre traumatischen Erlebnisse in der Anstalt ab. Gegenüber Hans ist sie von ihrer Sprachstärke betrachtet sein Alter Ego, denn die Sprache, die sie in ihren Briefen verwendet, zeigt deutlich lyrisch komprimierte Merkmale. Im ersten Brief (S. 121) wirft sie Hans seinen schulverwendungsfähigen Verstand und seine Flüchtigkeit vor. Sie gebraucht kaum Satzzeichen, verwendet Umgangsprache, formuliert Neologismen z. B. Munterhaltung oder Wirrenhaus, auch Munterhaltung, Großprüfung und Aufgenlärm. und der Zeilenbruch lässt schon an eine Gedichtform erinnern, zusätzlich optisch dargestellt durch Kursivschrift.
Im zweiten Brief (S. 191) rät sie ihrem Bruder sich nicht in die Angelegenheit seines Vaters einzumischen und stellt ihm die rhetorische Frage, warum nicht auch einmal eine solche Person in „Angstundschrecken“ versetzt werden soll. Im dritten und letzten Brief warnt sie davor, gegen den Vater vorzugehen und spitzt die Entscheidung zu: entweder dieser „fremde Unmann oder unser Vater (S. 282) es gibt dabei Nichts Drittes“. In einem Gespräch von Jurek Becker mit Heinz Ludwig Arnold sagt Becker: „ Hier sah ich – in dieser Schwester, die ich mir konstruiert habe, die ich nicht so kenne und ich nie begegnet bin – eine Chance, drei Wünsche in einer Figur aufgehen zu lassen: Eine Person, die scheinbar unnormal ist, drückt sich in einer, wie ich finde, sehr kurzschlüssigen, sehr einleuchtenden und sozusagen neben der normalen Menschensprache stehenden Sprache aus. Das hat mir Lust gemacht.“ Elles Briefe entstehen nachts und sie sieht sich als ein Medium, das wie in Trance ihrem Bruder schreibt. Die hier erkennbare poetische Dichte bezeichnet Becker als ein sprachliches Experiment.
Als Erzähler hat Becker durchgehend den Ich-Erzähler eingesetzt, den er in zwei Zeitebenen aktiv werden lässt, einmal als erzählendes Ich, wenn er auf das eine Jahr 1973 zurückverweist und das erlebende Ich mit aktuellem Bezug auf 1974, wenn er nach dem Tod des Vaters Bericht erstattet. Diese beiden Erzählebenen werden auch verschachtelt vorgestellt, dies kann man nachlesen auf S. 36 – 39. Er beginnt mit dem Bericht über den Brief von Elle an Martha, im inneren Monolog werden vier Fragen aufgegriffen, die auf die Rivalität zu Martha in Verbindung mit Elle hinweisen, anschließend bringt der Erzähler eine Rückblende im Präteritum, um dann in die aktuelle Situation mit Überlegungen zu wechseln, die sich auf das Problem eines möglichen Briefdiebstahls bezieht. Die Situation wird abgeschlossen durch den problematischen Dialog zwischen Hans und Martha zu diesem Thema.
Becker bringt auch interessante metaphorische Ăśberlegungen im Text.
Wenn der Topos des Abiturthemas auftaucht „Die Zelle als Überträger von Erbanlagen“ , so stellt sich indirekt die Frage nach der Vorbelastung von Hans durch den Vater. Nach moderner Erkenntnis muss allerdings erwähnt werden, dass der Sozialisationsprozess eine wichtigere Rolle für die Entwicklung einnimmt als die Erbanlage, damit wird auch die nationalsozialistische Rassenlehre ad absurdum geführt. Auch die Fernsehsendung über Rückengymnastik und damit das aufrechte Gehen kann auf Hans gedeutet werden, wenn er lernen muss aufrecht zu gehen und Martha am Ende des Romans von ihm „Haltung“ verlangt. Wenn man die im Roman vorkommende Schlüsselmetapher deuten möchte, kann der erste Schlüssel zum Aufschließen des Waldhäuschens ihm den Weg zur sexuellen Selbstbestimmung mit Martha ermöglichen, beim zweiten Schlüssel zur Öffnung der Handschellen von Heppner, den er bei seinem toten Vater findet, lässt sich die Loslösung aus den familiären Bindungen deuten. Beim Unfall mit dem kleinen Hund wird sichtbar, wie Menschen sich neugierig um Kleinigkeiten kümmern, aber über große Ereignisse, wie die Judenverfolgung hinwegsehen. Im Anschluss an das ergebnisloses Gespräch mit dem Vater wird die Fischteichmetapher vorgestellt, bei der auf dem Teich Kreise erkennbar sind, die von Fischmäulern hineingestoßen werden und Hans betont, dass er nie mehr so unvorbereitet in eine Diskussion hineingeht. Man kann den Vater-Sohn-Dialog als eine Gesprächssituation interpretiert, in der zwei Taubstumme nur stumme Mundbewegungen als Verständigung zeigen.
6.2 der Film
Im Jahr 1990 einigten sich Jurek Becker und der polnische Regisseur Jerzy Kawalerowicz den vier Jahre vorher erschienenen Roman zu verfilmen und Becker soll das Drehbuch schreiben. 1990 blieb der Film zwei Jahre in den Regalen liegen. Erst als der Film am 9. Juli 1993 als ZDF-Fernsehpremiere erscheint, wird er erfolgreich. Dabei wird die im Roman erkennbare Sprachlosigkeit über den Blickwinkel der Kamera transferiert, indem der Zuschauer die Position eines Fremden einnimmt, der nach Ostberlin kommt. Es wird das Unverständnis der Kinder jüdischer Eltern in Verfilmung des Lebens der Familie Lepschitz deutlich, das sich hinter verdunkelten Fenstern, Matze essend vor dem Fernseher, abspielt und umgekehrt die Welt der Kinder, die den Eltern fremd bleibt. Das Thema der Identitätsfindung des Protagonisten Hans wird zweisträngig dargestellt. Die Ereignisse vor dem Tod des Vaters und die der Gegenwart, d. h., die Rekapitulation der Ereignisse nach der Beerdigung. In der ersten Sequenz wird die Schilderung der Beerdigung konterkariert mit Liebe und Sexualität von Hans und Martha, dann wird der Verbalkonflikt mit dem Vater gezeigt. Das Trauerjahr fällt weg, so dass jetzt schon seine Entscheidung für oder gegen die jüdische Familientradition erfolgen muss. Die Briefe von Elle und die Schwimmbadszene werden weggelassen. Tod und Beerdigung des Vaters stellen sowohl Beginn als auch Ende des Filmes dar. Aus dem Tod des Vaters erwächst für den Sohn Hans die Aufgabe der Identitätsfindung aus der Bedeutung der Vergangenheit über die nationalsozialistische Verfolgung und die sozialistische Nachkriegsrealität. Von dieser ersten Szene wird die Ich-Erzähler-Position von Hans aus dem Off deutlich gemacht und dient dazu, retrospektiv die zurückliegenden Ereignisse zu verarbeiten. Das Auffinden des toten Vaters wird von den Filmemachern an das Ende gesetzt. Hans findet seinen Vater parallel zu dem im Bett festgeketteten Heppner. So wird die Opfer-Täter-Konstellation aufgehoben. Als Hans den Vater aufrichtet, wird das Fensterkreuz im Hintergrund gezeigt, so dass eine Kreuzsymbolik auf eine Märtyrerrolle hinweisen kann. Der Vater hat das KZ überlebt und ist dreißig Jahre später in einem Anfall von Wut, Rachsucht und physischer Schwäche gestorben, während der Sohn endlich bereit ist einzugreifen, aber zu spät kommt. Hans versucht mit dem Sägeblatt die Kette von Heppner ergebnislos durchzuschneiden. Als Heppner den Rat gibt, aus der Tasche des Vaters den Schlüssel herauszuholen, zeigt man in einer letzten Szene Hans mit dem Sägeblatt, man weiß nicht, ob er ihn freilässt. Hans greift also nicht in die Tasche. Ist er im Judentum angekommen? Oder hat er mit dem Vater die Familiengeschichte zu Grabe getragen. Während im 1986 erschienenen Roman das Deutsch-geworden-Sein im Blickfeld stand, scheint im Film eine neue Einstellung zum Judentum des Autors deutlich zu werden. Während er sich früher dem Zugriff der Vergangenheit entzog, scheint jetzt durch den Tod des Vaters das Bewusstsein der jüdischen Wurzeln deutlich. Becker behauptet 1990, dass er sich plötzlich an ein jüdisch-polnisches Kinderlied erinnern konnte, das er phonetisch rekonstruierte, ohne den Sinn zu erkennen. Diese bruchstückhafte jüdische Identität projeziert Becker auf seine Figur. So haben Hans die Schatten der Vergangenheit am Ende wieder eingeholt. Er ist jetzt erwachsen geworden, als er sich klar wird, nicht nur den Blick in die Zukunft, sondern auch in die Vergangenheit werfen zu müssen.
6.3 Aufsatzthemenideen
1. Was lässt Menschen schuldig werden?
Untersuchen Sie die Täterprofile im Roman „Bronsteins Kinder“.
2. Wie lässt sich der von Becker bevorzugte Titel „Wie ich ein Deutscher wurde“ für den dritten Roman der Holocaust-Trilogie erklären?
3. Auch in der Eisdiele (S. 166) kommt es im Roman „Bronsteins Kinder“ nicht zu einem klärenden Gespräch zwischen Hans und Martha.
Erörtern Sie die Gründe für das Scheitern dieser Freundschaft.
4. Was bringt Arno Bronstein, Kwart und Eric Rotstein dazu, Selbstjustiz gegenĂĽber dem ehemaligen KZ-Aufseher Heppner durchzufĂĽhren?
Wie stehen Sie zu dieser Strafmethode?
5. „Wer der Folter erlag, kann nicht mehr heimisch werden in der Welt.“ Untersuchen Sie diese Aussage von Jean Améry im Zusammenhang mit dem Roman „Bronsteins Kinder“.
6. „Der Jude ist ein Mensch, den die anderen als solchen betrachten“, behauptet Jean Paul Sartre.
Untersuchen Sie die Schwierigkeiten der Figuren im Roman von Becker mit ihrer jüdischen Identität.
7. Vater Arno Bronstein sieht in seinem Sohn, als sie sich zu einem Abendesssen bei Gordon Kwart treffen nur noch einen Feind (S. 184). Wie kommt es zu dieser Feindschaft?
8. Hans Bronstein vergleicht das entscheidende Gespräch mit seinem Vater nach der Entdeckung von Arnold Heppner im Waldhäuschen mit der Beobachtung der Fischmäuler, die Kreise in die Wasseroberfläche stoßen (vgl. S. 82). Inwiefern lassen sich der Kommunikationsverlust und die damit verbundene Sprachlosigkeit zwischen den Generationen im Roman begründen?
9. Gelingt Hans Bronstein in seiner von Jurek Becker im Roman vorgestellten Entwicklung ein Aufbruch in die Erwachsenenwelt?
10. Mit „Bronsteins Kinder“ stellt Jurek Beck nach den beiden vorausgegangenen Werken der Holocaust-Trilogie die Auswirkungen des faschistischen Terrors auf die nachfolgende Generation vor. Gehört sie zu den Opfern des Faschismus?
Literaturliste
1 Primärliteratur: Becker, Jurek (1988): Bronsteins Kinder. Suhrkamp Verlag Frankfurt a. M.suhrkamp ta- schenbuch st 1517.
2 Sekundärliteratur: 2.1 Jung, Thomas (1998): „Widerstandskämpfer oder Schriftsteller sein…“. Jurek Becker – Schreiben zwischen Sozialismus und Judentum. Peter Lang Europäischer Verlag der Wis- senschaften, Frankfurt a. M.
2.2 Kutzmutz, Olaf (2008): Jurek Becker. Suhrkamp Verlag Frankfurt a. M.
2.3 Pasche, Wolfgang (2005): Lektürehilfen. Jurek Becker „Bronsteins Kinder“. Ernst Klett Verlag GmbH. Stuttgart.
2.4 Gilman Sander, L. (2004): Jurek Becker. Die Biographie. List Verlag Nr. 60458.
2.5 Becker, Jurek (1990): Warnung vor dem Schriftsteller. Suhrkamp Verlag Frankfurt a. M.
NF 601.
2.6 Kleßmann, Christian u. a. (1999): Deutsche Vergangenheit – eine gemeinsame Heraus- forderung. Der schwierige Umgang mit der doppelten Nachkriegsgeschichte. Chrstoph Links Verlag, Berlin.
2.7 Bernhardt, Rüdiger (2005): Jurek Becker „Bronsteins Kinder“. Bange Verlag Hollfeld. Band 434.
2.8 Graf, Günter (1993): Jurek Becker „Bronsteins Kinder“. 26 Arbeitsblätter mit didaktisch- methodischen Kommentaren. Ernst Klett Verlag, Stuttgart, Dresden.
2.9 Rühl, Christina (2005): Der Mensch ist doch kein Flussbett … Jurek Becker als Roman- und Drehbuchautor. Peter Lang GmbH, Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frank- furt a. M.
2.10 Obrusnik, Joanna (2004): Jurek Becker. Geborener Jude – Selbsternannter Atheist – Deutscher Schriftsteller. Hentrich & Hentrich Verlag, Teetz. Band 12.
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